Handle Me Down

Tidal | Handle Me Down, Juni 2004. Antworten von Boris.

Stellt Euch und Eure Band doch zum Auftakt erst einmal vor!

Hallo und guten tag, wir, Boris – Gesang, Christian – Gitarre, Patrick – Bass, Fabian – Gitarre und Julian – Drums sind TIDAL und das ist gut so!

Wann und mit welcher künstlerischen Zielsetzung wurde TIDAL gegründet?

Als wir uns 1999 gegründet haben gab es keine klare Zielsetzung im Sinne von politischem Engagement oder so. Wir wollten und wollen Spaß, Leidenschaft, Ausdruck, Echtheit mit unseren persönlichen Weltbildern vereinen und das können wir nun mal saugut mit TIDAL unter einen Hut bringen, can it be so simple?

Seit Eurem selbstbetitelten Debüt habt ihr „Incendiary Records“ die Treue gehalten. Wie kam es zu dieser fruchtbaren Kooperation ?

Na ja, wir waren nie die Szenehäschen und hatten dadurch anfangs auch Probleme ein Label zu finden, da kam „Incendiary“ zur absolut richtigen Zeit, sie haben an uns und unsere Musik geglaubt und tun es noch immer, abseits von Konventionen und Meinungen die von außerhalb auf uns bzw. das Label zusammenlaufen. zwischen dem ersten und dem aktuellen Release sind wir geschweift, haben andere Labels (u.a. ein eigenes) beglückt mit unseren Platten.

Eurer nunmehr zweites Album trägt den Titel „Abraxas“ und markiert den Nachfolger zum 2001 erschienenen Longplayer „Moment“. Was gab den Ausschlag für die recht lange Wartezeit zwischen den Aufnahmen im Frühjahr 2003 und der Veröffentlichung ein knappes Jahr später?

Wichtig war für uns dieses Album aufzunehmen als „Abraxas“ im “Kasten“ war, gab es keine eile etwas so zeitloses möglichst schnell auf den Markt zu bringen. letztendlich hat es dann doch etwas länger gedauert wie wir uns das auch vorgestellt haben, aber gut Ding will Weile haben. Außerdem hat es auch etwas zeit in Anspruch genommen bis wir uns entschieden haben wer das Artwork macht und wie es aussehen soll.

Die Songs auf „Abraxas” sind geprägt vom textlichen Wechselbad aus deutschen und englischen Vocals. Wie kam es zu der Entscheidung des bilingualen Gesangs?

Ich hatte mir keinen Vorsatz genommen die texte auf „Abraxas“ bewusst so in Szene zu setzen, es kam so aus mir heraus. Mir war es wichtig die Intention und die Gedanken nicht zu verfälschen oder zu konstruieren. Ich habe mich wohl gefühlt, das was ich zu sagen hatte in dieser Form auszudrücken. es hatte für mich einen spielerischen Aspekt mit den Sprachen zu jonglieren und ich hab mir gedacht wieso sollte man sich selbst begrenzen wenn man aus dem vollen Schöpfen kann?

Eure Songs taumeln in überwiegendem Maße zwischen Verzweiflung und Leidenschaft, Aggression und Lethargie, gepaart mit impulsiver Dynamik und komplexen Songstrukturen. Wie entsteht ein TIDAL-Stück und was, bzw. wer inspiriert Euch bei der individuellen wie vielschichtigen Entfaltung?

Die wichtigste und größte Inspiration beim Schreiben der Songs und der Texte ist das Leben selbst, die Wahrnehmung all dessen was ich höre, sehe und fühle. Woher die Inspiration kommt ist nicht so wichtig für mich, das kann sehr unterschiedlich und vielschichtig sein, da jeder Mensch die gleiche Situationen ja auch völlig verschieden erlebt. Ich glaube die Kunst darin liegt das subjektiv erlebte in Musik (oder durch ein anderes Medium) zu übersetzen. Wenn das dann noch innerhalb einer Band geschieht, wo jeder seinen Teil einbringt ist das Liebe für mich, sich auf Stärken und Schwächen von den anderen einzulassen, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, vor allem wenn man manchmal denkt hier geht’s nicht weiter. Davon profitieren im Endeffekt alle, auch wenn das manchmal alles andere als leicht ist. Grundsätzlich gilt bei der Entstehung der TIDAL Songs: jeder darf alles solange die anderen es noch verstehen und nachvollziehen können, um dann zu einem Ergebnis zu kommen. Es ist ein schönes Gefühl sich beim schreiben von Songs und Texten selbst zu überraschen, den eigenen Mikrokosmos immer wieder aufs neue zu sprengen. Grenzen in der eigenen Gedankenwelt gilt es einzustürzen um Platz zu schaffen für neue Gedanken, die auch wieder Fortschritt für einen selbst bedeuten und Türen für die Zukunft öffnen, damit es eben weitergehen kann und sich nicht im Kreis dreht. the show must go on….

Wie würdet ihr selbst den Stil TIDALs beschreiben ?

Da würde jede Antwort ein Schuss ins Knie sein, das sollen andere beurteilen, ich hab da keine Schublade mehr für.

Wer zeichnet sich für die künstlerisch eigenwillige Abwandlung des Bildes von Hieronymus Bosch aus, welche das Artwork von „Abraxas“ prägt?

Das Cover Artwork stammt von Volker Davidowski, einem guten Freund der Band, der in Stuttgart freie Kunst studiert und den wir absolut für den richtigen hielten unsere Musik künstlerisch in Szene zu setzen. Seine Auffassung von Kunst deckt sich doch ziemlich mit der TIDAL´schen Ansicht derselbigen. Für mich kam niemand anderer in frage, zumindest für „Abraxas“ nicht, that’s it.

Neben Konzerten in weiten Teilen Europas habt ihr bereits eine Südamerika-Tour absolviert. Wie kam es dazu und welche Impressionen konntet ihr durch diese Erfahrung gewinnen?

Den Kohntakt nach südamerika stellte ein freund von uns her der einige Monate zuvor dort herumgereist ist. zufällig hatte er auf Reisen ein TIDAL Tape dabei, welches bei einigen Menschen dort wohl großen Anklang fand. Der Kontakt war da und wir haben uns diese großartige Möglichkeit nicht durch die Lappen gehen lassen. Ich denke die Eindrücke die wir dort gewinnen konnten waren für jeden doch recht unterschiedlich, zum teil gewaltig, zum teil auch ernüchternd. Ich denke wo wir uns alle einig sind ist das wir viele sehr nette und interessante Menschen getroffen haben. Für mich persönlich hat es nur einmal mehr gezeigt, dass Erwartungen unangebracht sind, egal ob sie positiv oder negativ sind, oder wie hat John Lennon einst gesagt:” das leben ist das was passiert während man dabei ist andere Pläne (Erwartungen) zu haben”.

In welcher Weise wird „Abraxas“ auf nationalen wie internationalen Bühnen vorgestellt werden?

Nackt, rau, roh, rotzig, verwirrend, schön, leidenschaftlich, fesselnd und immer mit einer guten Portion Selbstüberraschung und Selbstverarschung, ohne irgendwelche Garantien. keine Show, es will ja schließlich echt sein.

Welche Pläne verfolgen TIDAL für das weitere Jahr 2004?

Haha, das wird nicht verraten, aber soviel sei gesagt, wer denkt er kennt TIDAL, der denkt zuviel…

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